DIE FEINE GESELLSCHAFT | Ab 26. Januar 2017 überall im Kino!

Trailer
Der Film
Der Film

Im Sommer 1910 geht Seltsames vor sich an der französischen Normandieküste. Alljährlich findet sich hier der Landadel ein, denn die Luft ist heilsam und die armen Fischer und verlumpten Muschelsammler sind herrlich pittoresk. Doch dieses Jahr ist etwas anders: zahlreiche Sommerfrischler sind spurlos verschwunden und haben das bizarre Polizistenduo Böswald und Blading auf den Plan gerufen. Schnell deuten die Zeichen auf den Fischer Rohbrecht, der stets hungrig wirkt und den man in der Gegend respektvoll den „Ewigen“ nennt. Mit seinem kantigen Sohn Lümmel verdient er sich ein Zubrot, indem er wohlhabende Touristen über die ewigen Gewässer befördert. So auch die Töchter der Familie van Peteghem, deren herrschaftliches Anwesen in aller gebotenen Dekadenz über der Bucht thront. Dabei verlieben sich Lümmel und die schöne Billie van Peteghem und zwingen Distinguierte und Depravierte in einen allzu plötzlichen Familien-Kontakt. Während die Polizisten ratlos durch eine groteske Dünenlandschaft voller Nymphomanen, Nudisten und Narzissten pflügen, drängt sich ein entsetzlicher Verdacht auf. Plötzlich verschwindet auch Billie van Peteghem und die Ordnungshüter müssen befürchten, dass die Rohbrechts nicht nur Muscheln, sondern auch Menschen sammeln.

Nichts weniger als ein Meisterwerk gelingt Bruno Dumont mit dieser köstlichen Komödie über eine Gesellschaft am Rande einer irre gewordenen Ratio. In grandiosen Bildern einer paradiesischen Meereslandschaft gelingt mit DIE FEINE GESELLSCHAFT eine bissige Satire aus einer Welt, in der das Menschliche zum Verschwinden gebracht wurde. Ein Film so radikal und gewaltig wie ein Küstensturm.

Der Regisseur
Der Regisseur
Bruno Dumont wurde 1958 im Norden Frankreichs in Bailleul geboren. In dieser kleinen Stadt in Flandern, zwischen Lille und Dunkerque, drehte er seine ersten zwei Filme: DAS LEBEN JESU (1997) und HUMANITÄT (1999). Beide wurden in Cannes mehrfach prämiert und Bruno Dumont etablierte sich als einzigartiger Regisseur, der sich von zeitgenössischen französischen Produktionen abhebt. Für ihn ist Kino gefühlvoller und stärker, eine Art Philosophie. Bruno Dumont studierte Philosophie, die Geschichte der Religionen und die Ästhetik des Films. Er wurde zunächst Philosophielehrer in Hazebrouck. Gleichzeitig erlernte er den Beruf des Regisseurs durch Auftragsproduktionen. „Ich filmte Bonbons, Schinken, Kohle oder Backsteine. So habe ich über einen Umweg gelernt, Kino zu machen.“ Mit seiner Kamera und der visuellen Sprache, die er sich mittlerweile angeeignet hatte, ergründet er die Essenz der Menschen, was sie motiviert und was sie zu tragischen Wesen macht. Zweifel am menschlichen Geist inszeniert der Regisseur sehr weltlich: er filmt Körper auf eine rohe Art und Weise, ebenso die Natur und die Empfindungen, ohne zu intellektualisieren oder zu erklären. Bruno Dumonts Kino entzieht sich dem Sozialrealismus, obwohl es immer in einer sehr konkreten Realität verankert ist. Er sucht in jedem Menschen auch immer das sanfte Licht trotz der Hässlichkeit und Gewalt in dieser Welt. Sein Film CAMILLE CLAUDEL 1915 (2013) mit Juliette Binoche in der Titelrolle lief im Wettbewerb der Berlinale. 2014 war seine mit Arte koproduzierte vierteilige Miniserie „Kindkind“, die von der internationalen und der deutschen Presse enthusiastisch aufgenommen wurde, in der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes zu sehen.

Filmografie (Auswahl)

2016 - DIE FEINE GESELLSCHAFT

2014 - KINDKIND

2013 - CAMILLE CLAUDEL 1915

2011 - HORS SATAN

2009 - HADEWIJCH

2006 - FLANDERN

2003 - TWENTYNINE PALMS

1999 - HUMANITÄT

1997 - DAS LEBEN JESU

Cast & Crew
Cast & Crew

Fabrice Luchini

als André van Peteghem

Fabrice Luchini ist ein französischer Theater- und Filmschauspieler, der 1969 in TOUT PEUT ARRIVER zum ersten Mal vor der Kamera stand und in seiner Karriere mit namhaften Regisseuren wie u.a. Éric Rohmer (DIE FRAU DES FLIEGERS, 1981; DER BAUM, DER BÜRGERMEISTER UND DIE MEDIATHEK, 1993), Claude Lelouche (ALLES FÜR DIE LIEBE, 1993; MÄNNER UND FRAUEN – DIE GEBRAUCHSANWEISUNG, 1996) und François Ozon (IN IHREM HAUS, 2012) arbeitete.

Juliette Binoche

als Aude van Peteghem

Juliette Binoche ist eine französische Schauspielerin und Oscar®-Preisträgerin (DER ENGLISCHE PATIENT, 1996), die schon als Kind Theater spielte und in ihrer langjährigen Karriere mit Regisseuren wie u.a. Jean-Luc Godard (MARIA UND JOSEPH, 1985), André Techiné (RENDEZ-VOUS, 1985; ALICE UND MARTIN, 1998), Abbas Kiarostami (SHIRIN, 2008; DIE LIEBESFÄLSCHER, 2010), Krzysztof Kieslowski (DREI FARBEN: BLAU, 1993), Michael Haneke (CODE UNBEKANNT, 2000; CACHÉ, 2005), Olivier Assayas (DIE WOLKEN VON SILS MARIA, 2014), Cedric Klapisch (SO IST PARIS, 2008) und David Cronenberg (COSMOPOLIS, 2012) zusammenarbeitete.

Valeria Bruni Tedeschi

als Isabelle van Peteghem

Valeria Bruni Tedeschi wurde 1964 in Turin geboren und wuchs ab dem neunten Lebensjahr in Frankreich auf. Sie wurde an der Schauspielschule von Patrice Chéreau und Pierre Romans unterrichtet. 1987 war sie in ihrer ersten Hauptrolle in dem Film HÔTEL DE FRANCE von Patrice Chéreau zu sehen. Es folgten zahlreiche Rollen in Kinofilmen wie 5 x 2 – FÜNF MAL ZWEI von François Ozon oder MÜNCHEN von Steven Spielberg. Auch in Paolo Virzìs DIE SÜSSE GIER spielte Valeria Bruni Tedeschi eine Hauptrolle. 2003 debütierte sie als Regisseurin mit der Komödie EHER GEHT EIN KAMEL DURCHS NADELÖHR. Ihr Film EIN SCHLOSS IN ITALIEN wurde 2013 für die Goldene Palme beim Cannes Film Festival nominiert.

Besetzung

Aude van Peteghem
Juliette Binoche
André van Peteghem
Fabrice Luchini
Isabelle van Peteghem
Valeria Bruni Tedeschi
Christian van Peteghem
Jean-Luc Vincent
Lümmel Rohbrecht
Brandon Lavieville
Billie van Peteghem
Raph
Blading
Didier Després
Böswald
Cyril Rigaux
Nadège
Laura Dupré
Fischer Rohbrecht, "Der Ewige"
Thierry Lavieville
Gaby van Peteghem
Lauréna Thellier
Blanche van Peteghem
Manon Royère
Mutter Rohbrecht
Caroline Carbonnier

Crew

Buch & Regie
Bruno Dumont
Kamera
Guillaume Deffontaines
Schnitt
Bruno Dumont, Basile Belkhiri
Ausstattung
Riton Dupire-Clément
Kostüm
Alexandra Charles
Maske
Michelle Constantinides, Jana Schulze
Ton
Phillipe Lecoeur
Mischung
Emmanuel Croset
Sound Design
Romain Ozanne
Casting
Clément Morelle, Catherine Charrier
Herstellungsleitung
Cédric Ettouati
Aufnahmeleitung
Julien Bouley
Produzenten
Jean Bréhat, Rachid Bouchareb, Muriel Merlin, Thanassis Karathanos, Geneviève Lemal
Produktion
3B Productions
Koproduktion
Twenty Twenty Vision Filmproduktion, Pallas Film, Arte France Cinéma, WDR/Arte
In Zusammenarbeit mit
Memento Films Distribution, Memento Films International, Pictanovo, Le Fresnoy, Studio National des Arts Contemporains, Cofinova 12, Cinemage 10, Soficinema 12, Scope Pictures
Mit Beteiligung von
Canal+, Cine+, Arte France, Centre national du cinéma et de l’image animée
Mit Unterstützung von
La région des Hauts-de-France
Mit Beteiligung von
Le CNC
Mit Unterstützung von
Mitteldeutsche Medienförderung, Medienboard Berlin-Brandenburg, FFA, Tax Shelter du Gouvernement Federal Belge
Notizen von Bruno Dumont
Notizen von Bruno Dumont

Erinnerungen an die Bucht des stillen Wassers

Ich war auf der Suche nach einem Thema für diese Komödie, die an der französischen Opalküste spielen sollte, eine Region, die ich sehr gut kenne und in der ich lebe. Dabei bin ich auf sehr alte Postkarten gestoßen, die die Schleuser der Bucht des stillen Wassers zeigten. Diese Menschen vom Land brachten Anfang des 20. Jahrhunderts die bürgerlichen Städter von einer Seite des Flusses auf die andere. Das war der Anfang für DIE FEINE GESELLSCHAFT, der alles in Gang setzte: die Rohbrechts auf der einen, die van Peteghems auf der anderen Seite, eine Liebesgeschichte, das mysteriöse Verschwinden der Feriengäste. Als ich mit dem Drehbuch anfing, habe ich die verschiedenen Postkarten miteinander verbunden. Bei der Serie „Kindkind“ schrieb ich ohne zu wissen, dass es unbedingt lustig werden würde. Bei DIE FEINE GESELLSCHAFT war das anders. Mir war bewusst, was ich tat und ich kannte nun die komische Kraft der Szenen, die ich mir einfallen ließ. Eine Komödie setzt eine gewisse Maschinerie voraus, einen Mechanismus sofortiger Wirksamkeit. Sie ist weniger beschwörend als ein Drama und dementsprechend schwieriger.

Die Herausforderung eines historischen Films

Die Geschichte spielt im Sommer 1910. Der Anfang des 20. Jahrhunderts ist die Bühne für den Auftritt des Bürgertums, der Industrie, des Kapitalismus und dementsprechend des Klassenkampfes. Es handelt sich um eine Erzählung über die Ursprünge und es ist ein einfacher Film über unsere Epoche. Der heutige Zuschauer weiß, dass diese Welt umgestürzt wird und der Erste Weltkrieg vier Jahre später beginnt. Zum ersten Mal musste ich eine Landschaft wieder erschaffen, die bereits verschwunden war. Die Postkarten aus der damaligen Zeit haben mir erlaubt, dies zu tun. Da die Geschichte sehr bald entgleist, wollte ich eine Kulisse, die diese Verrücktheit verkörpert. Ich habe an das Typhonium in Wissant gedacht. Ein Haus im neo-ägyptischen Stil, das Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und das man in der Region Nord-Pas-de-Calais auch als Verrücktheit bezeichnete. Ich habe beim Schreiben an dieses Anwesen gedacht. Die Besitzer wollten keinen Dreh vor Ort. Sie haben erst Nein gesagt und ein Jahr später kam dann doch die Zustimmung. Wir haben die Außenszenen am Typhonium gedreht und die Innenszenen in einem anderen Anwesen, das von Engländern im Tudorstil genauso fantasiereich gestaltet wurde. Die Komposition der Kulissen ist dementsprechend komplett imaginär und dennoch der Realität angepasst.

Zu den Ursprüngen des Burlesken

Meine erste filmische Referenz war Max Linder und sein französischer Sinn fürs Komische in einem bürgerlichen Gewand, ein bisschen steif, was der Zeit der Handlung des Films entspricht. Ich habe auch Laurel und Hardy studiert, deren körperliche Dynamik, die Purzelbäume, Stürze und das Ausrutschen gefallen mir besonders. Das Duo im Film, Blading und sein Gehilfe, entsprechen dem völlig. Sowohl das Aussehen: der Dicke und der Kleine, die Kleider, der schwarze Anzug und die Melone, als auch im Verhalten: Blading fällt ständig hin, rollt und fliegt sogar am Ende davon. Übrigens fallen alle Figuren im Film hin, um besser wieder aufzustehen bzw. sogar abzuheben. Es handelt sich um ein „Ursprungskino“. Im dem Sinne, dass die ersten Filme Possen und Komödien waren, die die Situationen komplett verdrehten, die mit der Kultur der bürgerlichen Welt zu tun hatten.

Das Entstehen von Unruhe

Als ich anfing zu schreiben, verliebte sich Lümmel in ein Mädchen, doch ich habe mir bald gesagt, dass das nicht sehr originell, sogar uninteressant ist. Ich habe immer schon Filme gemacht, um das zu erzählen, was ich selbst nicht kenne. Dementsprechend habe ich geschaffen, was ich eine Art amouröse Täuschung nennen würde. Diese stellt die Frage nach den Genres und gibt diesem historischen Film eine extrem doppeldeutige und zeitgenössische Note. Es ist dennoch keine homosexuelle Liebesgeschichte. Lümmel hat keinerlei Zweifel an Billies Geschlecht. Er hält sie für ein Mädchen. Der Zweifel kommt von der Androgynie, von diesem Körper, der Gegensätze aufweist. Außerdem verwandelt sich Billie ständig, einmal Junge, ein andermal Mädchen. Kino ist der ideale Ort, um diese Verwirrung zu verkörpern, ohne es moralisch zu beurteilen. Als Lümmel die Wahrheit herausfindet, schlägt er Billie, es ist ein Akt gegen die Person, die ihn verzaubert und verwirrt hat. Lümmel ist bis zum Ende von Billie verwirrt und handelt dementsprechend. Das Verlangen ist nach wie vor da, die Verwirrung aber akzeptiert.

Die Maßlosigkeit verkörpern

Der ganze Film sollte den Eindruck von Maßlosigkeit und Fantasie verkörpern. Die Villa macht das sehr gut, die Kleider und Accessoires ebenso. Alles kommt aus der damaligen Zeit, aber wir haben alberne Elemente hinzugefügt, um eben das Burleske aus dem Realen entstehen zu lassen. Didier Després, der Blading spielt, ist in sein Kostüm verstrickt und das macht es so lustig. Valerie Bruni Tedeschi ist im Gegensatz dazu in ihr Korsett geschnürt, um diese sehr steife Pose einzunehmen, die die Wunderszene noch stärker werden lässt, denn in diesem Moment hat man das Gefühl, dass sie sehr anmutig ist (denn selbst die Bürgerlichen können anmutig sein).
Galerie
Kinofinder
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Ab 13.07.2017 in folgenden Städten/Kinos:

Titisee-Neustadt

Krone-Theater